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Das CRM wird nicht gepflegt — und alle arbeiten an Excel-Listen vorbei

Auf dem Papier haben Sie ein CRM. In der Praxis führt jeder Vertriebler eine eigene Excel-Liste, die echten Deal-Stände stehen in E-Mail-Threads, und vor dem Monats-Reporting verbringt jemand zwei Tage damit, drei Datenquellen abzugleichen. Die naheliegende Diagnose: „Das Team ist undiszipliniert“ — oder: „Das CRM ist schlecht, wir brauchen ein neues.“

Beides greift zu kurz. Wenn ein Werkzeug konsequent umgangen wird, ist das Umgehen fast immer rational: Das CRM bildet den echten Prozess nicht ab, verlangt Pflege ohne Gegenwert oder beantwortet Fragen, die niemand stellt. Ein neues Tool erbt dieselben Probleme — nur teurer.

Sie erkennen es daran

  • Forecast-Termine beginnen mit der Frage, welche Zahl jetzt die richtige ist
  • Vertriebler pflegen parallel eigene Excel-Listen „weil es schneller geht“
  • CRM-Stages sind je nach Person unterschiedlich interpretiert
  • Vor Reports werden Daten manuell zusammengetragen und korrigiert
  • Die Diskussion „wir brauchen ein neues CRM“ kommt jedes Quartal wieder

Die Bruchstelle hinter dem Symptom

VertriebReportingCRM ↔ Excel ↔ Outlook

Typische Ursachen

Das CRM bildet den Ist-Prozess nicht ab

Stages, Pflichtfelder und Workflows wurden einmal konfiguriert — am Soll-Prozess. Der echte Vertriebsalltag weicht ab, also weichen die Nutzer aus. Das Tool dokumentiert einen Prozess, den es nicht gibt.

Pflege ohne Rückfluss

Wer Daten einträgt, bekommt nichts zurück — keine besseren Prioritäten, kein nützliches Reporting, keine Entlastung. Pflege ist reine Bringschuld. Rationale Menschen minimieren Bringschuld.

Keine Single Source of Truth definiert

Niemand hat entschieden, welche Quelle bei Widerspruch gewinnt. Also existieren CRM, Excel und Outlook gleichberechtigt nebeneinander — mit drei Wahrheiten und Daueraufwand fürs Abgleichen.

Konservative Größenordnung: 38.000–62.000 €/Jahr

Beispiel: 8 Personen im Vertrieb × 4–6 h Doppelpflege und Abgleich pro Woche × 65 €/h Vollkosten × 44 Wochen = 91.000–137.000 €/Jahr. Selbst wenn nur die Hälfte davon dem Datenchaos zuzurechnen ist, bleiben 45.000–68.000 €/Jahr — ohne das Forecast-Risiko für Liquiditäts- und Kapazitätsplanung.

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Erst messen, dann entscheiden

Die Diagnose legt offen, wo der gelebte Prozess vom konfigurierten abweicht und welche Datenquelle wofür tatsächlich genutzt wird. Daraus folgt fast immer: Single Source of Truth definieren, Stages am Ist-Prozess nachziehen, Excel-Listen gezielt ins CRM migrieren — und erst dann über Tool-Fragen reden. In den meisten Fällen ist kein CRM-Wechsel nötig.

Wenn gerade eine CRM-Neuanschaffung im Raum steht, ist die Diagnose die Entscheidungsgrundlage: Sie zeigt, ob das Problem im Tool sitzt oder im Prozess — bevor sechsstellige Migrationskosten entstehen.

Häufige Fragen

Wir haben schon zweimal CRM-Schulungen gemacht. Warum ändert sich nichts?+

Schulung behebt Wissens-Lücken, nicht Anreiz-Lücken. Wenn das Eintragen Aufwand ohne Gegenwert bleibt, kehrt das Team nach jeder Schulung zur Excel-Liste zurück. Erst wenn der Prozess im CRM dem echten Arbeitsablauf entspricht und Pflege etwas zurückgibt, hält die Disziplin von selbst.

Sollten wir die CRM-Neuanschaffung stoppen, bis die Diagnose da ist?+

Wenn die Entscheidung noch nicht unterschrieben ist: ja, zwei Wochen Aufschub kosten nichts. Die Diagnose dauert 7–10 Werktage und beantwortet genau die Frage, ob der Wechsel den Engpass behebt oder nur verschiebt. Fällt die Antwort „Wechsel sinnvoll“ aus, haben Sie zusätzlich die Anforderungsliste aus dem echten Prozess.

Jonas Höttler

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